Die Technik hinter einem Podcast ist wichtig. Nur eben deutlich weniger wichtig als die Menschen, die ihn machen.
Ich sag’s gleich vorweg: Es geht hier nicht um den Inhalt, den Tucker Carlson produziert, sondern darum WIE er produziert wird. Und ja, mir ist bewusst, dass das grade die Podcast Producer Community vermutlich nicht gern liest. Wer meine Meinung nicht will, überspringt diesen Beitrag einfach.
Und noch was: Es wird lang und ausführlich und nerdig.
Also, los geht’s.Vor Kurzem bin ich beim Hören bzw. Schauen der Tucker Carlson Show über etwas gestolpert, das mich im ersten Moment laut lachen ließ.
Offenbar werden zumindest manche Gespräche der Show über Zoom aufgezeichnet.
Entschuldigung, wie bitte? Zoom geht aber schon mal gar nicht!
Video Call Anbieter wie Zoom oder Teams genießen in der Branche einen schlechten Ruf. Ja eh, sie zeichnen Leute auf. Man kann die Dateien an die Producer schicken. Man bekommt sogar lokale Aufnahmen hin, wenn man Ahnung hat und sich tief durch die Einstellungen gräbt. Also bei Zoom. Bei Teams nicht.
Und das sollte man auch nicht unerwähnt lassen: Damit wurde trotzdem in den letzten Jahren eine absurd große Menge an Medien produziert.
Witzig daran, und der Grund, warum ich so laut gelacht und gleich beschlossen habe, euch mit meinen Gedanken zu diesem Thema zu belästigen, ist Folgendes:
Die Podcast Branche hat fast ein Jahrzehnt lang Podcaster:innen und Creator davon überzeugt, dass genau DAS – nämlich der Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Podcast – in der Aufnahmesoftware liegt.
Vielleicht habe ich das sogar selbst lange so gepredigt, wenn auch lange nicht in der Vehemenz und oft eher unabsichtlich.
Denn gute Software liefert KI Transkripte, eine automatische Füllwort Entfernung und natürlich die neueste 4K Lokalaufnahme Funktion und das allgegenwärtige Versprechen, mindestens noch drei Minuten Schnitt pro Folge einzusparen.
Oder überhaupt das Versprechen, dass man nur noch dieses einzige Stück Equipment braucht und dann wird man zum erfolgreichen Podcaster:in.
Und währenddessen setzt sich der Host einer der größten Shows der Welt (nicht nur Podcasts, wohlgemerkt, SHOWS) in ein, wie ich finde, insgesamt exzellentes Live Studio, öffnet dieselbe Software, die die Marketingabteilung irgendeiner Firma für ein internes Meeting am Dienstagnachmittag benutzt, und macht daraus eine Show, die Millionen Leute tatsächlich hören wollen.
Das sollte uns etwas sagen.
Und genau darüber reden wir heute: Die benutzte Software ist nicht euer Produkt
In vielen Gesprächen über Podcast Produktion geht eine wichtige Unterscheidung verloren: Aufnahme ist nicht gleich Podcast-Qualität.
Die Aufnahme ist Rohmaterial. Genau genommen sind es eure Vorbereitungsnotizen oder die ursprüngliche Idee, die hoffentlich in jedem Schritt des Prozesses verfeinert werden, so wie aus Zutaten in der Küche ein Gericht wird.
Der Podcast ist das Ergebnis aus Gespräch, redaktionellem Urteilsvermögen, dem Host, der Perspektive, der Beziehung zum Publikum, der Geschichte, den Informationen und dem Grund, warum jemand nächste Woche wiederkommt.
Für Leute vom Fach klingt das erstmal selbstverständlich. Aber ist es das wirklich?
Offenbar nicht, denn ein riesiger Teil des Podcast Technologiemarkts lebt davon, Podcaster:innen davon zu überzeugen, genau das zu optimieren, was passiert, bevor das kommt, weswegen das Publikum eigentlich da ist.
Zur Klarstellung: Ich behaupte nicht, dass Produktionsqualität egal ist.
Sie ist absolut wichtig.
Glaubt mir, mein ganzes Ding ist ja, dass Audio und Videoqualität wichtig sind, egal wie gut die Show sonst ist. Warum? Schlechter Ton lenkt ab. Schlechtes Licht und miese Farbkorrektur machen ein Video unangenehm anzusehen. Eine abgebrochene Aufnahme oder üble Aussetzer, weil man asynchron ist und sich gegenseitig ins Wort fällt (wofür Zoom Podcasts berüchtigt sind, nebenbei bemerkt), können ein Interview ruinieren. Und ein Mikrofon, das in die falsche Richtung zeigt, ist wirklich keine kreative Entscheidung.
Und wer eine hochwertige Erzählserie, einen investigativen Podcast oder ein Netzwerk mit Dutzenden Shows produziert, für den ist die Produktionsinfrastruktur enorm wichtig.
Aber es ist ein Unterschied, ob man Produktionsprobleme beseitigt oder glaubt, Produktionstechnik würde Mehrwert fürs Publikum schaffen. Das ist nicht dasselbe.
Und Tucker Carlson ist ein ungewöhnlich gutes Fallbeispiel, weil sein Publikum ganz offensichtlich nicht wegen der Aufnahmesoftware einschaltet, und er die Reichweite hat, um das zu beweisen.
Sie schalten wegen ihm ein.
Was auch immer man von seiner Politik hält (und ich mache das hier bewusst nicht zu einer politischen Debatte, also lasst das bitte draußen), er ist außergewöhnlich gut in dem, was bei einem Interview Podcast am meisten zählt: Leute zum Reden zu bringen.
Er weiß, was er als Nächstes fragt, wann er in unangenehmer Stille schweigt, hat eine erstaunlich klare redaktionelle Haltung und gibt dem Publikum das Gefühl, bei einem Gespräch dabei zu sein, das es sonst so nirgends anders gibt.
Das ist das Produkt. Zoom ist nur wie ein Becher, in dem das Getränk serviert wird.
Die Podcast-Branche verwechselt leider oft Produktions-Qualität mit Produkt-Qualität
Genau hier wird die Technik Obsession der Branche ein bisschen seltsam. Podcasting hat sich in den letzten zehn Jahren enorm professionalisiert. Das ist grundsätzlich gut.
Remote Aufnahmeplattformen sind deutlich besser geworden. Lokale Aufnahmen, getrennte Spuren, laufende Uploads, hochauflösendes Video und ausgefeilte Schnitt Workflows haben Probleme gelöst, die Remote Produktionen früher wirklich mühsam gemacht haben.
Spezialisierte Podcast Aufnahmeplattformen haben schlicht Existenzberechtigung.
Riverside etwa ist darauf ausgelegt, Teilnehmer lokal aufzuzeichnen, statt sich einfach auf die Qualität der Internetverbindung zu verlassen. Descript bietet über die Integration von SquadCast mittlerweile Remote Aufnahmen mit lokaler Erfassung und direktem Weg in den Schnitt.
Das sind echte Verbesserungen.
Auch Zoom selbst kann mittlerweile mehr, als das gängige Klischee suggeriert. Die aktuellen Aufnahmetools können getrennte Audiospuren pro Teilnehmer erfassen, und Zoom bewirbt diese Funktionen explizit für Podcast Workflows.
Es geht hier also nicht um „Zoom schlecht, Riverside und so weiter gut“. Es geht darum, zu wissen, welches Problem man eigentlich lösen will.
Wenn eure Remote Plattform der Produzentin zwei Stunden pro Woche spart: super, das ist ein sinnvoller Anwendungsfall. Wenn eine lokale Aufnahme verhindert, dass eine schlechte Internetverbindung ein Interview zerstört: Glückwunsch, auch ein Anwendungsfall. Wenn automatische Transkription dem Editor hilft, einen 90 sekündigen Instagram Clip in dreißig Sekunden statt nach 40 Minuten Sichten zu finden: cool, noch ein Anwendungsfall.
Aber nichts davon macht den Inhalt vom Podcast automatisch besser. Das sind reine Produktions-Ableitungen eines Podcasts, und das wird umso wichtiger, je mehr KI Podcast Software Firmen in künftige Produktions-Workflows packen.
KI kann mittlerweile:
- die Folge transkribieren
- Clips identifizieren
- Füllwörter entfernen
- Shownotes generieren
- Audio bereinigen
- (mit)helfen, Video zu schneiden (auch wenn das noch lange nicht fertig entwickelt ist)
- Social Media Posts schreiben
- Titel vorschlagen
Ganz ehrlich: Sie kann zunehmend beeindruckend viel von der Arbeit übernehmen, für die früher ein echter Mensch nötig war. Und das, obwohl das noch keine fünf Jahre her ist.
Das ist nützlich, erzeugt aber eine seltsame Fragestellung:
Wenn die Software alles besser macht, muss das Gespräch selbst vielleicht gar nicht besser werden?
Das ist verkehrt gedacht.
Das KI-Feature-Wettrüsten löst ein anderes Problem
Schaut euch an, wie Podcast Produktionssoftware heute positioniert wird.
Descript beschreibt seinen modernen Workflow als Zusammenspiel aus Aufnahme, Transkription, textbasiertem Schnitt, Füllwort Entfernung, KI Funktionen und Social Content Erstellung.
Das ist ein enormer Funktionsumfang im Vergleich zu dem, was Podcast Produzenten vor zehn Jahren zur Verfügung hatten.
Und vieles davon mag ich wirklich sehr.
Aber für Podcaster:innen steckt hier eine Falle.
Wenn jedes Tool verspricht, Zeit zu sparen, verbringt man am Ende die gesparte Zeit damit, das nächste Tool zu suchen.
Ich hab das schon oft erlebt.
Ein Creator fängt mit einem Mikrofon an. Dann kauft er ein Interface. Dann kommen Kopfhörer, Akustik Software oder eine Tontechnikerin, eine Kamera, eine Aufnahmeplattform, eine zweite Kamera, eine Transkriptionsplattform oder ein Add on, eine All in one Schnittplattform, natürlich der KI Clip Generator, ein Social Scheduling Tool, weil niemand mehr einfach auf „Posten“ drücken kann, eine Analytics Plattform, eine neue Website und so weiter.
Dann verbringen sie drei Wochen damit, ihren Workflow neu aufzubauen.
Aber was sie immer noch nicht herausgefunden haben, ist, warum sich Folge 47 niemand anhört.
Technik soll Reibung zwischen Host und Publikum wegnehmen. Sie soll nicht zum Hobby des Hosts werden.
Für jemanden, der einen Newsletter über Podcast Technik schreibt, ist das ein unangenehmer Satz. Aber genau darum geht’s in dieser Publikation. Ich will euch nicht unbedingt etwas verkaufen, sondern helfen, euren Tech Stack mit sinnvollen Tools und Zeitsparern zu optimieren.
Der beste Tech Stack ist nicht zwingend der ausgefeilteste.
Es ist der, der zuverlässig genug funktioniert, damit alle ihre Energie ins eigentliche Produkt stecken können.
Je größer die Show, desto wichtiger dieses Prinzip
Hier gibt’s einen interessanten Unterschied zwischen einem Indie Creator und einer Netzwerk-Führungskraft.
Für einen unabhängigen Creator ist Einfachheit oft der größte Vorteil.
Wer alleine einen wöchentlichen Interview Podcast macht, braucht kein Sendestudio, das sich als SaaS Dashboard tarnt.
Man braucht:
- Ein Mikrofon, das nicht schlecht klingt
- Eine Aufnahmemethode, die das Interview nicht zufällig zerstört
- Einen wiederholbaren Schnitt Workflow
- Einen Ort zum Veröffentlichen
- Eine Möglichkeit zu erkennen, ob überhaupt jemand zuhört
- Genug übrige Zeit für die nächste Folge
Mehr braucht’s nicht.
Bei einem Netzwerk sieht die Rechnung anders aus.
In der Größenordnung wird Infrastruktur viel wichtiger, weil man nicht eine Folge optimiert, sondern hunderte Produktionsentscheidungen über Dutzende Shows und Menschen hinweg.
Ein Netzwerk kann durchaus folgendes brauchen:
- Standardisierte Aufnahme Workflows
- Lokale Multitrack Erfassung
- Automatisierte Backups
- Kollaborativen Schnitt
- Rechte und Nutzerverwaltung
- Asset Management
- Transkription
- Automatisierte Metadaten
- Video Workflows
- Clip Erstellung
- Analytics
- Ad Operations
- Distributions Integrationen
- Qualitätskontrolle
Ein Unabhängiger sollte auf kreative Geschwindigkeit optimieren, ein Netzwerk auf operative Hebelwirkung.
Beide sollten Technik gegenüber äußerst misstrauisch sein, die vor allem deshalb existiert, weil sie in einer Demo beeindruckend wirkt.
„Gut genug“ ist nicht dasselbe wie „ist mir egal“
Genau hier, glaube ich, kann das Tucker Beispiel missverstanden werden.
Man sollte daraus nicht schließen, dass Produktionsqualität egal wäre.
Ist sie nicht.
Ich hab genug Folgen der Tucker Carlson Show gehört, um zu wissen, dass es gelegentlich Tonprobleme gibt, besonders in der reinen Audio Version.
Aber ich weiß auch, was passiert, während ich zuhöre. Ich stoppe die Folge nicht und denke mir: „Wow, das wäre ein wirklich mitreißendes Gespräch gewesen, wenn sie nur eine andere Remote Aufnahme App verwendet hätten.“
Das macht niemand.
Das Publikum bewertet das Gesamterlebnis. Nur das zählt am Ende auf der Anzeigetafel. Genau das versuchen euch all die einzelnen Daten, die wir tracken, stückweise zu sagen.
Hier wird „gut genug“ zu einer starken Philosophie. Gut genug heißt nicht nachlässig, sondern dass man den Punkt erreicht hat, an dem zusätzliche Investition in die Produktion nicht mehr Ertrag bringt.
Wenn ein Upgrade der Aufnahmeplattform aus einer schlecht klingenden eine gut klingende Show macht: macht es. Ich hab Kundinnen dabei geholfen und gesehen, wie ihre Zahlen gestiegen sind, weil Leute ihre Show lieben, aber trommelfellsprengende Lautstärkeunterschiede oder Ähnliches hassen.
Wenn es aus einer gut klingenden Show nur eine leicht besser klingende macht, dafür aber 300 Euro mehr im Monat kostet und vier zusätzliche Schritte in den Workflow bringt, dann denkt zumindest kurz drüber nach ob es sinnvoll ist.
Wenn diese 300 Euro Investition in Recherche, bessere Gäste, schnelleren Schnitt, bessere Thumbnails oder Promotion mehr Mehrwert fürs Publikum bringen, sollte die Antwort klar sein.
Das ist im Grunde dasselbe Prinzip, das wir überall sonst in den Medien anwenden: Ressourcen dorthin stecken, wo sie das Ergebnis tatsächlich verändern.
Podcasting hat nur eine ungewöhnlich große Industrie, die Dinge verkauft, die sich so anfühlen, als würden sie das Ergebnis verändern.
Der eigentliche Engpass in der Produktion ist oft redaktionell
Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis von allen.
Wenn euer Podcast nicht wächst, könnte natürlich das Mikrofon das Problem sein.
Wahrscheinlicher ist, dass eure Folgen einfach nicht interessant genug sind. So, jetzt ist es gesagt.
Das Blöde daran, und vielleicht auch der Grund, warum die wenigsten gleich dorthin denken: Das ist ein deutlich schwerer zu lösendes Problem.
Eine spannende Prämisse oder eine Persönlichkeit kann man sich nicht kaufen. Die gibt’s nicht im Laden. Glaubt mir, ich hab’s versucht.
Redaktionelles Urteilsvermögen kann man nicht abonnieren, egal wie viele Facebook Ads behaupten, dass es mit ihrem 29,90 Euro Kurs plötzlich geht.
Es gibt keine KI Einstellung im Schnittprogramm für „Host deutlich mitreißender machen“. Manche Editorinnen schaffen genau das, oft einfach dadurch, dass sie Füllwörter rausnehmen und euch verständlicher machen, aber ein Plugin, das aus einem langweiligen Interview ein Top Gespräch macht, gibt es nicht.
Wenn sonst nichts hilft: Schreibt eure zehn besten Fragen auf, werft sie weg, macht das noch drei Mal, und dann habt ihr Fragen, die sonst niemand stellt.
Technik kann eine gute Redaktion beschleunigen. Ersetzen kann sie sie nicht.
Das alles wird noch relevanter, weil Video das Podcasten immer weiter verändert.
YouTube spricht mittlerweile von mehr als 1 Milliarde monatlich aktiven „Zuschauern“ von Podcast Inhalten, Spotify von mehr als 250 Millionen Nutzern, die auf der Plattform mindestens einen Podcast angesehen haben. Spotify berichtet außerdem, dass die Zahl der Creator, die monatlich Video veröffentlichen, im Jahresvergleich um mehr als 50 Prozent gestiegen ist.
Die Produktion explodiert damit regelrecht.
- Jetzt brauchen wir Kameras (mehrere Kamerawinkel, wenn wir ehrlich sind)
- Vertikale Clips
- Thumbnails
- Kapitel
- Untertitel
- Videospezifischen, teils sogar video first ausgerichteten Schnitt
- Für manche sogar plattformspezifische Exporte
Die naheliegende Reaktion wäre, einen noch größeren Tech Stack aufzubauen. Aber die strategische Frage bleibt: Was baut die Beziehung zum Publikum eigentlich auf?
Bei manchen Shows ist die Antwort die visuelle Produktion.
Bei anderen ist es nach wie vor der Host, der einem anderen Menschen gegenübersitzt und ein bemerkenswertes Gespräch führt.
Der Fehler ist, anzunehmen, dass jede Show dieselbe Antwort braucht.
Euer 140. Stück Podcast-Equipment ist nicht die Antwort
Das ist eine der Denkübungen, die ich Podcaster:innen gebe, die mir erzählen, sie würden gerade nach neuem Equipment schauen oder viel Geld ausgeben wollen, um irgendwie das Publikum zu fixen. Bevor ihr irgendetwas kauft, fragt euch also:
Welches Problem löst das eigentlich?
Dann fragt:
- Wie oft tritt dieses Problem überhaupt auf?
- Was kann ich damit tun, was ich jetzt nicht kann?
- Würde mein Publikum den Unterschied überhaupt merken?
Wenn die letzte Antwort Nein ist, macht ihr das wahrscheinlich für die eigene Eitelkeit statt für den Mehrwert des Publikums.
Sind gute Produktionsqualität und Investitionen in Publikumswachstum wichtig? Und ob.
Ein Netzwerk braucht das teure System vielleicht, weil das Publikum den Nutzen nicht direkt sieht, das Produktionsteam aber schon.
Ein investigativer Podcast braucht vielleicht sichere und damit teurere Aufnahme Infrastruktur, weil ein verlorenes Interview eine Katastrophe wäre.
Eine Video first Show braucht vielleicht ein deutlich ausgefeilteres Kamera und Lichtsetup, weil das visuelle Produkt hier das Produkt ist. Und selbst Zoom hin oder her: Tuckers Studio sieht ziemlich gut aus, und bei der Kameraqualität spart er fix auch nicht.
Das sind alles unternehmerische Entscheidungen. Aber zuerst muss ein gutes Produkt stehen.
Das würde ich diese Woche testen
Wenn ihr euch fragt, ob euer Tech Stack wirklich hilft: macht keinen weiteren Equipment Vergleich. Macht ein Experiment.
1. Findet euren größten Produktionsengpass
Trackt eure Produktionszeit für eine Reihe von Folgen. Monat, Woche, egal.
Wo geht die Zeit tatsächlich hin?
- Aufnahme?
- Schnitt?
- Clips?
- Shownotes, Blogposts, Website Artikel?
- Veröffentlichung?
- Technische Probleme lösen?
Wenn ihr’s nicht wisst, messt es.
2. Streicht ein Tool
Streicht für eine Woche ein Tool, das seinen Nutzen nicht klar beweist. Wenn ihr nicht sagen könnt, welches Problem es löst, lasst es eine Woche weg und schaut, ob sich für irgendjemanden etwas ändert.
Ich sage nicht, dass ihr gleich euren ganzen Produktions Flow über den Haufen werfen sollt. Nur eine Woche.
Vielleicht stellt ihr fest, dass das Tool unverzichtbar war. Oder dass es niemandem aufgefallen ist.
Beides sind nützliche Erkenntnisse.
3. Steckt die gesparte Zeit in Inhalte
Verbringt die zwei Stunden, die ihr durch automatisierte Shownotes gespart habt, nicht damit, ein weiteres KI Shownotes Tool zu recherchieren.
Nutzt sie stattdessen für:
- Einen besseren Gast finden
- Bessere Fragen vorbereiten
- Das Thema tiefer recherchieren (Tucker Carlson behauptet, er sei über seine Gäste erschreckend schlecht informiert, ich glaube ihm das schlicht nicht)
- Publikumsfeedback durchgehen
- Die ersten fünf Minuten verbessern
- Einen besseren Distributionsplan bauen
Dann vergleicht, wie die Folge performt.
4. Fragt, was eurem Publikum wirklich aufgefallen ist
Zum tausendsten Mal: Schaut. Euch. Retention Daten. An.
Downloads oder Views. Completion Rate. Kommentare. Shares. Abo Wachstum.
Nicht weil diese Kennzahlen perfekt wären, sind sie nicht, sondern weil sie euch zeigen, ob eure Änderung überhaupt etwas bewirkt hat.
Das Ziel ist nicht, den billigstmöglichen Podcast zu produzieren, sondern Geld und Komplexität dort einzusetzen, wo sie wirklich etwas bringen.
Und es geht nicht darum, dass Zoom heimlich die beste Podcast-Software ist. Ist es wirklich, wirklich nicht.
Wenn ihr heute ein ernsthaftes Remote Interview aufnehmt, würde ich grundsätzlich lieber eine Plattform nutzen, die speziell für hochwertige lokale Aufnahmen gebaut ist, statt einen gewöhnlichen Videocall als ideale Produktionsumgebung zu behandeln.
Spezialisierte Plattformen haben echte Probleme gelöst. Auch Zoom selbst berücksichtigt mittlerweile viele podcastspezifische Workflows rund um getrennte Teilnehmer Audiospuren, während moderne Plattformen wie Riverside und Descript/SquadCast explizit auf lokale Aufnahme und Postproduktion ausgelegt sind.
Also nein, das ist kein heimlich gesponserter Zoom Beitrag. Ich hab aktuell tatsächlich keinen Sponsor unter den Aufnahmeplattformen (aber meldet euch gerne).
Tucker Carlsons Show wird nicht mitreißend, weil Zoom gut ist. Zoom reicht aus, weil die Show mitreißend ist.
Denn die Podcast Branche hat jahrelang dafür gesorgt, dass sich Podcaster:innen fühlen, als wären sie nur ein Software Abo, ein Mikrofon, ein KI Feature oder ein Stück Akustikschaumstoff davon entfernt, endlich die großartige Show zu machen, die sie schon immer machen wollten.
Aber es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das, was zwischen eurem und einem besseren Podcast steht, nicht in eurer Aufnahmesoftware sitzt. Also probiert etwas anderes, bevor ihr das 14. Stück Equipment kauft.
Öffnet die Software, die ihr schon habt. Drückt auf Aufnahme. Und steckt die Zeit und das Geld, die ihr für Technik ausgeben wolltet, stattdessen ins bessere Gespräch.
Dem Publikum ist egal, womit ihr aufgenommen habt. Nur, ob es sich zu hören gelohnt hat.
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